Gesamt 826 Km Jakobsweg-Wanderung
Gesamt 8.382 Km mit Verkehrsmitteln in der Tournee zur Organspende
auf dem Jakobsweg und mehr im "kunterbunten (nicht unpolitischen) täglichen Allerlei"
Diesen beinahe endlosen Blick Richtung in Norden möchte ich euch heute widmen. Aufgenommen habe ich das Foto heute gegen 14:00 Uhr von unserer "Alm", wie wir so schön sagen. Wenn ihr dieses Foto durch Anklicken vergrößert, dann bekommt ihr den vollständigen Eindruck von der Schönheit meiner Heimat. Hinter uns der Höhenzug des Deisters - und davor ausgebreitet das ganze Land. Und alles in Richtung Norden gelegen. Und der Himmel war so Blau wie er eigentlich nur im Himalaya oder in Italien an der Adria sein kann. Nein, keine Erläuterung, warum das so ist oder wo es schöner ist - einfach sehen. Und genießen. Diese Welt ist so unendlich schön, wenn wir verstehen den Augenblick zu sehen und in uns aufzunehmen. Deshalb möchte ich dieses Foto mit diesen wenigen Worten auch einfach so stehen lassen und euch einfach euch selbst überlassen. Nutzt die Stunde und macht das Schönste für euch daraus. So machen wir es auch, denn nachher kommt Ewa von der Schule heim und dann hat sie (und damit wir) Ferien. Eine kurze Information gibt es aber doch noch für euch. Morgen melde ich mich noch einmal, denn ab dem 20. Dezember sind auch für mich Ferien. Keine Termine, keine Interviews, keine Fotos, keine Fragen - nur noch Ewa und ich. Weihnachten sind wir zwar daheim, aber am 27.12. fahren wir für eine Woche ins geliebte Nordfriesland und lassen es uns gut gehen. Ach ja, am 20. Dezember feiern wir meinen dritten Geburtstag. Ganz alleine, irgendwo im Norden. Ohne Notebook und ohne Telefon. Also, lasst es euch auch gut gehen und damit viele Grüße, eine gute Zeit und ein nettes Buen Camino wünscht euch Lothar Tag 93 mit 0 Km Wanderung
Dieses Foto zeigt euch die Kapelle im Klinikum Oststadt der Region Hannover, in dem ich knapp zwei Jahre bis zur Transplantation zugebracht habe. Auch diese Kapelle und ihren Pfarrer kenne ich sehr gut, denn hier habe ich so manche Stunde zugebracht. Auch die Stunden, in denen ich nicht mehr wusste, ob ich überhaupt noch eine Chance habe weiterzuleben. Besonders nach dem "Fehlalarm", der am 15.12.2005 war. Ein Fehlalarm deswegen, weil das für mich gemeldete Organ schon COPD hatte und eine Hepatitis. Hätte ich diese Lunge erhalten, würde ich vermutlich schon verstorben sein. Aber fünf Tage später, also am 20. Dezember 2005, erhielt ich das Organ, das mich heute so absolut toll und wunderbar am Leben hält. So grandios, dass ich heute (laut MHH) sogar im Zustand eines Leistungssportlers bin und fast grenzenlos aktiv sein kann. Sicher wird jeder der Leser verstehen, dass dieses Datum mein zweiter Geburtstag ist. Ein Tag, der Grund zum Feiern ist. Der aber auch Grund zum Andenken ist an einen Menschen, durch dessen Organ ich heute noch leben darf. Das darf nie vergessen werden und ich deshalb vergesse diesen Menschen niemals. Er (oder sie?) ist heute integraler Teil meines Lebens geworden und irgendwie habe auch ich mich durch diesen Menschen ein wenig verändert. Jedenfalls meinte Ewa schon kurz nach der Transplantation, dass ich anders lache. Wie auch immer: ich lebe. Und ich bin - wie Ewa - sehr dankbar dafür. Alles Gründe, die meinen zweiten Geburtstag am 20. Dezember, den ich ja nun schon zum dritten Mal feiern darf, für mich so unendlich wichtig machen. Einen ganz wichtigen Anteil daran hat Prof. Bernd Schönhofer, zu dem in meiner Zeit der dauernden Klinikaufenthalte bis zur Transplantation schon so etwas wie ein freundschaftliches Verhältnis entstanden ist. Durch ihn haben Ewa und ich schon frühzeitig begonnen, uns mit dem Thema (und den Folgen) einer Lungentransplantation vertraut zu machen. Deswegen: Danke den Hinterbliebenen meines Organspenders, die häufig Teil meiner Gebete sind. Danke aber auch Prof. Schönhofer für seine Geduld und hilfreichen Informationen. Und danke auch an meine Frau Ewa, die so vieles hat aushalten und ertragen müssen. Das musste einfach auch mal öffentlich gesagt werden. Es gehört, glaube ich, auch dazu, um manche meiner Worte besser zu verstehen und mein Handeln besser einordnen zu können. Vielleicht ahnen ja die Angehörigen meines Organspenders, das mein Handeln, mein Denken und mein Schreiben nicht ohne Grund sind. Wenn sie die richtigen Rückschlüsse ziehen (und das können nur die Angehörigen meines Organspenders), dann können sie dies alles verstehen und wissen, was ich ihnen über diesen Umweg - wie in meinem Schreiben, ein Jahr nach meiner Transplantation - mitgeteilt habe und heute wieder mitteilen möchte. Ihr JA zur Organspende hat nicht nur mein Leben erhalten. Es hat eine mittlerweile auf recht breiter Basis laufende Aktion in Gang gesetzt, die - so hoffe ich - dazu beiträgt, dass mehr und mehr Menschenleben durch Transplantationen gerettet und erhalten werden können. In dieser Aktion machen dankenswerter Weise die Medien mit (soweit ich sie bisher besucht habe) und ich würde mich sehr freuen, wenn immer mehr Menschen diese Aktion unterstützen und tragen. Mit diesen Worten wünsche ich euch allen da draussen im Land einen guten und friedlichen Abend. Ein freundliches Buen Camino möge eure Wege immer begleiten. Euer Lothar Tag 92 mit 0 Km Wanderung
Mit der Fragestellung "gibt es im Himmel auch Spaghetti" habe ich am Freitag an einer PK der Treuhandstelle für Dauergrabpflege in Niedersachsen teilgenommen. Der Titel ist natürlich provozierend, denn jeder weiß genau, dass Kinder aus allen Szenarien der Trauer und des Abschied nehmens vollständig ferngehalten werden. Dies wurde auch von Armin Kalbe aus Goslar, Geschäftsführer der Dauergrabpflege, geschildert und von Margot Käßmann, Landesbischöfin, bestätigt. Aus diesem Grund hat die Treuhandstelle für alle Kindereinrichtungen (KiTas, Kinderkrankenhäuser usw.) das oben genannte Programm geschaffen. Ausdrücklich wurde gesagt, dass alle Betreuungseinrichtungen für Kinder kostenlos Informationen erhalten können (über die Geschäftsstelle der Treuhandstelle). Danke für diese nicht so bekannten Informationen, die versuche zu streuen, um sie den Menschen auf meinem Weg nahe zu bringen. Mit dieser Pressekonferenz begann ein Wochenende voller Termine und Aufgaben, die ja auch in meinem privaten Bereich bestehen - und erledigt werden müssen. Also ging es einen Tag in die Hallen der Firma IKEA in Hannover, Holz en masse schleppen (und natürlich auch fahren) und einen Ergänzungskauf am nächsten Tag wegen fehlender Artikel. Also ein "großer Bahnhof" an Aufwand - und dann noch beim Zusammenbauen (aber damit habe ich nichts mehr zu tun). Damit, liebe Freunde, bin ich für heute (und dieses Wochenende) mit meinem Kurzbericht am Ende. Euch wünsche ich ein schönes, angenehmes Wochenende und einen friedlichen Adventssonntag. Mit einem freundlichen Buen Camino grüßt euch Lothar Tag 88-90 mit 0 Km Wanderung
Eigenartiges kannst Du erleben, wenn Du auf den Waldwegen des Deisters wanderst. Jedenfalls habe ich heute nicht schlecht gestaunt, als ich diesen Schnuller, drapiert auf einem Baumstumpf, gesehen habe. Keine Ahnung, ob dies nur ein Scherz war oder ob vielleicht ein Kind diesen Schnuller verloren hat. Jedenfalls hat ihn jemand gefunden und zur Abholung auf diesem Baumstumpf bereitgestellt. In jedem Fall eine nette Geste, von denen es heute leider viel zu wenige gibt. Eine weniger schöne Geste war der Film, der gestern abend im englischen Fernsehen gezeigt wurde. Wie zu erwarten, legen sich heute die Zeitungen mächtig ins Zeug und berichten über diesen Film: Quotenhascherei ist eine der Klassifizierungen dieses Films, der Spiegel spricht von einem umstrittenen Sterbehilfe-Film, die Welt titelt mit dem Tod zur besten Sendezeit. Auch die FAZ ist nicht von gestern und beschreibt diesen umstrittenen Sterbehilfefilm mit Tod vor laufender Kamera. Und der Kölner Stadt-Anzeiger macht mit der Headline auf: "Freitod-Film zwingt zur Konfrontation". Wie der Kölner Stadt-Anzeiger stellvertretend für viele Zeitungen in Deutschland resümiert, ist der Film nicht nur mit geteiltem Echo aufgenommen worden. Vielmehr wird überwiegend die Gefahr gesehen, dass durch diesen Film eine tendenziell unsachliche Diskussion über die Sterbehilfe in Deutschland in Gang gesetzt wird. Durch diesen Film - als Dokumentation am Mittwochabend von dem britischen Privatsender Sky Real Lives zur besten Sendezeit um 21 Uhr ausgestrahlt - wurden freilich schon heftige Kontroversen ausgelöst. Vertreter der Hospiz-Bewegung, der Kirchen und Medienwächter attackieren den Film als makabren Voyeurismus und warnen vor den Folgen für eine Gesellschaft, die Krankheit und Tod am liebsten verdrängt. Wir wollen sehen, wohin dieser Film führt und welche Diskussionen daraus entstehen. Heute abend kommt ja wieder Roger Kusch mit seinem Sterbehilfe-Verein in der ARD. Aber warten wir die vielen Diskussionen, die ja jetzt erst entstehen, einfach ab. Schlüsse zu ziehen wäre ein wenig zu früh. Und spekulativ. Damit, liebe Freunde, wünsche ich euch noch einen schönen Abend und ein nettes Buen Camino. Euer Lothar Tag 87 mit 0 Km Wanderung
Hamburg ist natürlich eine Stadt, die immer eine Reise wert ist. Gleich aus welchem Grund. Ewa und ich haben sogar hier (im Hafen) geheiratet. Und so war auch meine Ankunft heute im Hauptbahnhof. Interessant illuminiert, allerdings nicht übertrieben - eher dezent. Und doch schön und entsprechend dem Flair Hamburgs in der Welt. Dabei stand ein ganz anderes Thema an: ein Interview mit einer großen gesetzlichen Krankenversicherung, der DAK. Kernpunkt war nicht so sehr mein Jakobsweg und die Organspende-Tournee, sondern mehr das Wandern als körperliches Gesundungselement. Natürlich bewegen sich die Menschen heutzutage viel zu wenig, manche überhaupt nicht mehr. Übertriebene Genusswünsche, Alkohol und Nikotin führen zu Leistungseinbußen - und zu Krankheiten. Falsche Ernährung ist ebenfalls ein Leistungskiller, dem bereits Kinder durch Unwissen oder Nachlässigkeit der Eltern ausgesetzt sind. Zu allem Überfluss verhalten sich die Menschen häufig so, als würde Sport oder körperliche Aktivität Schmerzen verursachen. Selbst die Gewichtszunahme von Säuglingen und Kleinkindern nimmt immer mehr Besorgnis erregende Ausmaße an. Alles das ist im Kontext der zunehmenden Bildungsmisere zu sehen. Alles Gründe, die zum kritischen Betrachten und zum Umdenken motivieren. Aber auch alles Gründe zur Änderung der Lebensweise. Eigentlich ist das jedem klar und verständlich. Die Änderung eigener Lebensweisen scheint jedoch unerträglich schwer zu fallen. Da natürlich keine Steuern auf persönliches Fehlverhalten erhoben werden können, müssen andere Wege gegangen werden. Wege des Vorlebens beispielsweise oder Schulungen und Trainings sind ebenfalls geeignet. Damit bin ich wieder bei meinem Jakobsweg und den vielen positiven Entwicklungen in gesundheitlicher Hinsicht. Und bei meinem Besuch in Hamburg, denn die DAK wird in ihrer nächsten Ausgabe der Mitgliederzeitschrift fit! meinen Weg als Beispiel für ihre Mitglieder vorstellen und zum Nachdenken und Nachmachen auffordern. Schon Erich Kästner sagte: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" ganz richtig. Ich habe hinter diese zweifelsfrei richtige Aussage einen Link auf das Grundrechtekomitee gelegt, denn viele Menschen fordern zunehmend diese Grundrechte ein. Häufig allerdings wird dabei vernachlässigt, dass auch die Bürger eine Verpflichtung zur Einhaltung elementarer Regeln haben. So hat beispielsweise jeder Mensch im Falle der Erkrankung eine Pflicht, auch an seiner Genesung mitzuarbeiten. Das ist auch eine Art "Grundverpflichtung" der Bürger. Einfach ins Krankenbett legen und sagen: "Lieber Doktor, mache mich gesund" ist sicher ein herer Wunsch; allerdings kein Recht, das eingefordert werden kann ohne eigene (angemessene) Leistung des Patienten. Sein Teil ist eben, auch an seiner Genesung mitzuarbeiten. Sonst würde einfach auch unser Solidarprinzip als eine der Grundfesten unserer Gesellschaft verletzt werden. Dies wird in dem Artikel der DAK vorgestellt und an einem Beispiel erläutert werden. So erläutert werden, dass es auch zum Nachmachen auffordert. Nur dann werden wir die Krankheitspotenziale aus dem bisherigen Fehlverhalten bekämpfen und eines Tages vielleicht beseitigen können. Ganz nebenbei hätte dies auch eine Reduzierung der Krankenversicherungsbeiträge zur Folge. Also, liebe Freunde, einfach mal nachdenken - Bequemlichkeit kostet. In erster Linie Geld. Dann aber auch die Gesundheit. Mit diesen Worten wünsche ich euch allen eine gute Zeit und weiterhin Buen Camino. Euer Lothar Tag 84 mit 0 Km Wanderung
Dieses eher schmutzig anmutende Foto habe ich heute nachmittag im Deister gemacht. Der modrige Waldweg lässt schon ein wenig an unsere Zeit denken. Die Reste des winterlichen Intermezzos auf dem morastigen Boden lassen ein paar nachdenkliche Gedanken in unsere reale Welt abschweifen. Der Morast (oder auch Schlamm) lässt lässt die Frage nach seiner Herkunft entstehen. Dies hat, wie jeder weiss, mit den Schneefällen und dem Regen der letzten Tage zu tun. Die schlechte Begehbarbeit des Weges ist also in erster Linie eine Reaktion auf Geschehnisse in der Umwelt. Das restliche Wasser in der Furche rührt von der Schneeschmelze her, aber auch aus Quellen im oberen Deister. In dieser Furche steht also Wasser, das natürlich auch vom Wild des Deisters getrunken wird. Wasser, das sich hier gesammelt hat und trotz der Waldschäden zunächst nicht verloren ist und noch eine Aufgabe erfüllen kann. Gleichzeitig sehen wir am oberen Rand des Fotos ein paar grüne Pflänzchen, die symbolhaft für den Fortbestand der Natur stehen mögen. Um dies zu bewirken brauchen wir das Wasser dieser Furche nochmals: nämlich als Spiegel, den wir uns mal selbst vorhalten sollten. Wie leichtfertig gehen wir mit unserer Natur um und fügen ihr Schäden über Schäden bei (eine Aufzählung möchte ich mir an dieser Stelle sparen). Diese Probleme - von der häufigen Abfallentsorgung im Wald über Entsorgung von Chemikalien und anderen Schadstoffen bis hin zur Luftbelastung durch Flugzeuge - gehen uns alle an, denn sie zerstören unsere Lebensgrundlage nachhaltig. Zum Nachdenken möchte ich euch eine Modellrechnung der Vereinten Nationen in New York geben. Wie lange braucht die Natur, um sich eine Stadt wie Mexico City vollständig zurückzuholen, würde sie in einem Augenblick vollständig von Menschen und Fahrzeugen verlassen werden. Nun, was glaubt ihr? Es würde den Berechnungen folgend rund 500 Jahre (in Worten: fünfhundert) dauern. Dann wäre kein Stein mehr auf dem anderen, kein Stahlträger mehr auf dem vorherigen, alle Fabriken wären verfallen und die Natur hätte sich alles, rückstandsfrei von Menschen, zurückgeholt. Einerseits beängstigend für die Menschen, im Umkehrschluss allerdings beruhigend: für die Natur. Denn dies ist nur ein Beispiel dafür, dass die Natur uns, den Menschen, nicht braucht. Und damit, liebe Freunde, schliesst sich der Kreis vom Wasserspiegel im Deister zu unseren (höchst aktuellen) Problemen, die wir mit höchster Intensität versuchen zu vermeiden, zu kaschieren, negieren oder einfach weglügen. Was also soll dieser kollektive Selbstbetrug? Wohin soll er uns führen? Diese Antwort möchte ich jedem da draussen im Land selbst überlassen, denn jeder muss für sich alleine eine (seine) Antwort finden. Tatsache ist allerdings für jeden unter uns: so kann es nicht weitergehen - und so wird es auch nicht weitergehen. Damit wünsche ich euch einen schönen und friedlichen zweiten Advent. Ein freundliches Buen Camino sagt euch Lothar Tag 83 mit 0 Km Wanderung